Haftung des Arbeitnehmers für Fehlbestände (Mankohaftung)

Oktober 26, 2016

Vor allem im Einzelhandel wird schon seit langem die Frage diskutiert, ob und wenn ja in welchem Umfang einzelne Arbeitnehmer von ihrem Arbeitgeber für Waren- oder Kassenfehlbestände haftbar gemacht werden können. Man spricht diesbezüglich von der sog. Mankohaftung. Ein Manko liegt vor, wenn der dem Arbeitnehmer anvertraute Waren- oder Kassenbestand vom Sollbestand abweicht. Warenbestände werden durch Inventur und Kassenbestände durch Kassensturz überprüft.

Regelmäßig wird der Arbeitgeber, sofern er ein solches Manko feststellt, den verantwortlichen Arbeitnehmer auffordern wollen, ihm die fehlende Differenz zu erstatten.

Der Arbeitgeber kann sich nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen ein Manko vom Arbeitnehmer erstatten lassen. Der Arbeitnehmer kann sich nicht einfach vertraglich verpflichten, jeden möglichen Fehlbestand in Geld auszugleichen. Eine solche Vereinbarung wäre nach der heutigen Rechtsprechung unwirksam (siehe hierzu: BAG NZA 2000, 715). Erlaubt ist es jedoch, mit dem Arbeitnehmer ein sog. Mankogeld zu vereinbaren. Hierfür wird ein Betrag festgelegt, bis zu dessen Höhe der Arbeitnehmer im Falle eines Fehlbestandes haftet. Letztendlich ist diese Vereinbarung so zu verstehen, dass der Arbeitnehmer das Mankogeld quasi als Bonus erhalten kann, wenn er keine Fehlbestände produziert. Falls doch, wird das Mankogeld entsprechend gekürzt. Das Mankogeld dürfte aufgrund seiner Funktion als Bonus nicht auf den Mindestlohn anzurechnen sein. Von der Rechtsprechung musste diese Frage aber bisher noch nicht beantwortet werden.

Auch ohne eine gesonderte Vereinbarung muss ein Arbeitnehmer für ein Manko haften. Es greifen dann jedoch die allgemeinen Maßstäbe der Arbeitnehmerhaftung. Ein Arbeitnehmer haftet gegenüber seinem Arbeitgeber für einen Schaden aus einer betrieblich veranlassten Tätigkeit nur bei grober Fahrlässigkeit oder bei Vorsatz in vollem Umfang. Bei leichter Fahrlässigkeit haftet der Arbeitnehmer nicht und bei mittlerer Fahrlässigkeit findet eine Teilung des Schadens statt. Für den Arbeitgeber bestehen dann regelmäßig Beweisprobleme. Es wird sich nur selten nachweisen lassen, dass ein Arbeitnehmer einen Schaden grob fahrlässig oder gar absichtlich verursacht hat.

Arbeitgeber, die Probleme mit Fehlbeständen haben, sollten daher überlegen, ob sie entsprechende Mankoabreden mit ihren Mitarbeitern vereinbaren. Hierbei ist jedoch strikt auf die Vorgaben des Bundesarbeitsgerichts zu achten, damit die Abrede am Ende nicht unwirksam ist. Zum Entwurf einer rechtswirksamen Mankoabrede sollte anwaltlicher Rat in Anspruch genommen werden.

Oliver Bieneck
Rechtsanwalt