Winterreifenpflicht in Deutschland? – Was im Falle eines Unfalls auf Sie zukommen kann

März 3, 2021

Diese Frage muss eigentlich mit „jein“ beantwortet werden. Eine Regelung, die Winterreifen verpflichtend vorsieht, gibt es nicht. In § 2 Abs. 3a der Straßenverkehrsordnung (StVO) heißt es:

„Der Führer eines Kraftfahrzeuges darf dies bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte nur fahren, wenn alle Räder mit Reifen ausgerüstet sind, die unbeschadet der allgemeinen Anforderungen an die Bereifung den Anforderungen des § 36 Absatz 4 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung genügen.“

Wenn die Wetterverhältnisse dies erfordern, muss also ein jedes Fahrzeug mit geeigneten Reifen ausgerüstet sein. Sofern Sie Ihr Fahrzeug bei den im Gesetz benannten Wetterverhältnissen nicht bewegen, so müssen Sie auch keine geeignete Bereifung ausrüsten. Gefährlich ist dies jedoch dann, wenn sich die Wetterverhältnisse im Laufe einer Ausfahrt bei strahlendem Sonnenschein ändern und plötzlich Schnee fällt oder es aufgrund der im Winter naturgemäß vorhandenen niedrigen Temperaturen zu Glätte kommt. Die allgemein geläufige Regel, dass Winterreifen von „O bis O“ (Oktober bis Ostern) ausgerüstet sein sollen, stellt daher eine Empfehlung dar. Eine grundsätzliche Winterreifenpflicht besteht also nicht; besser beschreiben lässt sich diese als situative Winterreifenpflicht, nämlich dann, wenn die vom Gesetzgeber beschriebenen Witterungsverhältnisse eintreten.

Welche Auswirkungen aber hat es, wenn man doch mit Sommerreifen in winterliche Witterungsverhältnisse gerät? Einerseits kann dies ein Bußgeld sowohl für den Fahrer als auch den Halter des Fahrzeugs bedeuten. Auch ein „Punkt in Flensburg“ kommt dazu. Die Höhe des Bußgeldes richtet sich ebenfalls nach der Verkehrssituation und erhöht sich beispielsweise, wenn in Verbindung ein Verkehrsunfall verursacht wurde. Andererseits steht Ärger mit der Kasko- und/oder Haftpflichtversicherung zu befürchten. Leistungen der Kaskoversicherung können unter Umständen wegen grober Fahrlässigkeit eingeschränkt werden. Im Rahmen der Haftpflichtversicherung kann Ihnen unter Umständen ein Mitverschulden angelastet werden.

Für Motorräder gelten diese Regelungen im Übrigen nicht.

Empfehlenswert ist es daher, immer auf eine ausreichende Profiltiefe und den Zustand der Winterreifen zu achten. Dies sorgt nicht nur für Ihre eigene Fahrsicherheit, sondern auch für die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer.

Informieren Sie sich unbedingt auch vor Fahrten ins Ausland über dortige Regelungen, damit Sie am Urlaubsort keine bösen Überraschungen erleben!

Falls Sie doch einmal in eine ähnliche Situation geraten sollten, ist qualifizierter Rechtsrat und schnelles Handeln gefragt. Gern beraten und vertreten wir Sie in allen verkehrsrechtlichen Angelegenheiten.

Ricarda Krusche
Rechtsanwältin